Durovis Dive im Test – ausgepackt und angespielt

Wir haben alle lange darauf gewartet, von den ersten News bis zur Vorbestellung ist auch eine ganze Weile vergangen. Ich habe ein Dive zur Verfügung gestellt bekommen und habe es für euch mal unter die Lupe genommen. In einem Video zeige ich euch die Ausstattung des Dives sowie ein paar Anwendungen für Android Smartphones.

Das Durovis Dive ist, wie das Refugio3D, welches ich vor ein paar Wochen ebenfalls getestet habe, eine Smartphone-Halterung. Mit dieser kann man bequem Side-By-Side- Inhalte ansehen. Das Durovis Dive ist der Nachfolger des kostenlos herunterladbaren Open Dive. Herunterladbar? Exakt. Das Open Dive kann von jedem kostenlos über die offizielle Webseite heruntergeladen und mit einem 3D Drucker ausgedruckt werden. Wer sich die Linsen nicht selber zusammen suchen möchte, kann zusätzlich das Linsen- und Kopfband-Set bei Amazon kaufen. Entwickler konnten das Open Dive jedoch völlig kostenlos beziehen. Mit dieser Maßnahme wollten die Dive-Schöpfer dafür sorgen, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits einige Apps in den jeweiligen App-Stores verfügbar sind.

Nun wo man das Durovis Dive über die Webseite vorbestellen kann, habe ich auch ein Review-Kit erhalten und konnte es ausgiebig testen. Zum Test standen mir zum einen ein Nexus 4 mit einer Auflösung von 1280×720 auf 4.7 Zoll (318ppi) und ein Galaxy S4 mit einer Auflösung von 1920×1080 auf 4,99 Zoll (441ppi) zur Verfügung. Im Test- Video verwende ich das Nexus 4 um euch das Dive ein wenig näher zu bringen. Bei einem kurzem Test mit einen IPhone4 stellte ich fest, dass es ohne zusätzliche Hülle zu klein ist um es mit dem Dive zu verwenden. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ein eine IPhone Hülle in dem Set enthalten ist.

Welche Smartphones funktionieren mit dem Dive? Die Anforderungen an die Smartphones sind sehr gering: Jedes Android oder iOS Smartphone Gerät, mit einem Gyroscope und Accelometer, welches nicht größer als 5″ ist sollte funktionieren. Bei meinen eigenen Tests hatte ich keine Probleme das große Galaxy S4 in die Halterung zu bekommen. Bei größeren Smartphones muss man allerdings aufpassen, dass die Halterung nicht auf die seitlich angebrachten Lautstärke Tasten drückt. Es gibt auch eine gewisse Anzahl an iOS Apps, jedoch werde ich mich in diesem Artikel auf die größere Anzahl an Android Anwendungen konzentrieren. Eine offizielle Liste mit getesteten Geräten gibt es hier: Durovis Dive – Kompatibilitätsliste

Wie im Video erwähnt, ist der sogenannte Screendoor- oder auch Fliegengitter-Effekt mit dem Dive deutlich geringer als mit dem Rift. Dies ist sowohl bei dem getesteten Nexus 4 als auch bei dem Galaxy S4 der Fall. Der Unterschied zwischen dem doppelt so hoch aufgelösten Display des S4, im Vergleich zum Nexus 4, ist mir auf den ersten Blick gar nicht mal so stark aufgefallen. Erst im direkten Vergleich war der Unterschied deutlich zu sehen. In hellen Szenen ist beim Galaxy S4 noch ganz leicht ein Gitter zu erkennen. Die Gesamtperformance war auf dem S4 allerdings natürlich deutlich besser.

Das "Fliegengitter" im Vergleich.

Das „Fliegengitter“ durch die Linsen im Vergleich.

Das Gitter ist also bei ähnlicher Auflösung deutlich geringer als beim Rift. Das liegt schlicht daran, dass die Linsen nicht so stark vergrößern. Die Immersion mit dem Dive ist, im Vergleich  zum Rift, gerigner. Dies würde ich auf die kleineren Linsen, das dadurch resultierende kleinere FOV und den größeren Lichteinfall zurückführen. Für einen Film im virtuellen Kino, in der Bahn oder dem Spielen von Quake 2 oder anderen, sowieso meist mehr casual-artigen, Spielen auf dem Handy reicht es jedoch.

Der Tragekomfort ist im Vergleich zum Refugio3D deutlich besser und fast mit dem des Rifts vergleichbar. Lediglich das zusätzliche Kopfband, welches das Gewicht über den Kopf verteilt, fehlt. Dies ist, sofern das vorhandene Kopfband stramm eingestellt ist, jedoch kaum bemerkbar. Erst bei schnellen Hoch-Runter-Bewegungen oder stark ruckartigen Bewegungen verrutscht das Durovis Dive leicht.

Ein weiterer Kritik-Punkt, den ich ebenfalls schon im Video angesprochen habe, ist der Lichteinfall. Schon auf der Gamescom 2013, war mir dies aufgefallen: Durch die Löcher die zum verstellen der Linsen notwendig sind, sowie die große Aussparung für die Nase unten, fällt viel Licht hinein, welches die Immersion ebenfalls hemmt und teilweise auch störend ist, wenn zum Beispiel ein Strahler direkt durch eines der seitlichen Löcher strahlt.

Die Auswahl der Apps ist derzeit trotz des großzügigen Angebots des Open Dives noch relativ gering. Die Achterbahn- Demo sowie die Hang Gliding- Demo ist für den Anfang ganz nett. Auch Spiele, wie das von dem Dive Erfinder Stephan Welker entworfene „The Height„, machen Spaß und bieten sogar mehr Umfang als manch eine Oculus Rift-Demo.

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Die App Go Show! erlaubt es filme in virtuellen Kinos zu genießen.

Besonders zu empfehlen ist auch die „Go Show!“ App (nicht im Video gezeigt), welche ein virtuelles Kino darstellt. Die kostenlose Version ist auf einen im Download enthaltenen Kurzfilm beschränkt. Die kostenpflichtige Version kann jegliche auf dem Speicher hinterlegte Video-Files (2D und 3D Material) abspielen. Es kann sich aber auch frei im Kino umgesehen werden. Nutzt man die App mit Kopfhörern, vergeht die stundenlange Bahnfahrt sicherlich im Flug.

Wer lieber die gesamte Bildfläche für den Film nutzen möchte und dafür auf die virtuelle Umgebung verzichten kann, kann, völlig ohne zusätzliche Apps, auch einfach einen Film, der im Side-By-Side Modus vorliegt, entweder vom Handy-Speicher oder Youtube öffnen und abspielen. In diesem Fall ist jedoch nicht immer die komplette Bildfläche des Filmes zu sehen.

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Hat im Test überzeugt: Quake2 im SBS 3D Modus.

Während Quake 2 auf dem Nexus 4 zwar spielbar war, aber diverse Framedrops hatte, lief es auf dem Galaxy S4 trotz der höheren Auflösung ruckelfrei. Trotzdem könnte ich es mir mit beiden Handys vorstellen den Titel komplett durch zu spielen. Die Anleitung wie ihr Quake 2 kostenlos auf eurem Handy zum laufen bekommt findet ihr hier auf der offiziellen Webseite des Dives: Quake 2 Anleitung – Dive SDK. Wer Android 4.4 (KitKat) auf seinem Handy nutzt, kann leider nicht den Installer benutzen, sondern muss Quake 2 von Hand herunterladen und entpacken. Eine Anleitung dafür findet ihr hier.

Für die meisten Apps wird neben dem Dive selbst ein Bluetooth Gamepad benötigt. Alternativ kann aber auch ein Playstation 3 Controller benutzt werden. In diesem Fall wird allerdings eine zusätzliche App benötigt. Eine komplette Anleitung wie man den Playstaion 3-Controller ans Laufen bekommt, findet ihr auf Chip.de.

Es wird ein offizielles SDK bereitgestellt, welches unterm Strich ein Asset für die Unity 3D Engine ist. Es sollte auch ohne Probleme mit der kostenlosen Version funktionieren. Mit diesem Asset kann innerhalb von Minuten mittels Drag’n’Drop das eigene Unity 3D Projekt in ein Dive kompatibles Spiel verwandelt werden. Jetzt wo das Dive quasi jedem zugänglich ist, ist es also theoretisch nur eine Frage der Zeit bis die App Stores mit Dive kompatiblen Apps gefüllt werden – so wie es beim Rift auch der Fall war. Auf der Seite divegames.com findet man eine offizielle, allerdings unvollständige Liste Unterstützer Anwendungen.

Fazit: Das Durovis Dive ist insgesamt gut verarbeitet. Man merkt, dass sich die Entwickler viele Gedanken gemacht haben, wie man das Erlebnis optimieren kann. Dies bemerkt man zum Beispiel an der Handy-Halterung an sich: Gummis verhindern ein Wegrutschen und Schaumstoff sorgt dafür, dass Handys verschiedener Tiefen gut in das Dive passen. Durch die verstellbaren Linsen kann so gut wie jede Sehschwäche ausgeglichen werden. Das Kopfband ist sehr gut bemessen, und gefällt mir besser als beim Oculus Rift, lediglich das 2. Band welches über den Kopf geht fehlt.

buy-durovis-diveOptisch macht das Dive auch einen guten Eindruck. Natürlich wird man damit in der Bahn etc. wahrscheinlich schräg angeschaut – doch zum einen sieht man dies eh nicht, zum anderen wurden Menschen, die über ihr Headset in der Öffentlichkeit telefonieren auch von Unbekannten eher belächelt. Es ist also alles eine Frage der Zeit, ich fordere Mut zur Nutzung von Innovationen wie dieser.

Der seitliche Lichteinfall ist in meinen Augen das größte Manko, lässt sich jedoch leicht durch eine Modifikation beheben.

Auch wenn das Dive in meinen Augen derzeit kein Ersatz für das Oculus Rift ist, ist es eine super Ergänzung für Unterwegs, auf der Couch oder im Bett. Wenn man einfach keine Lust hat umständlich eine Demo aus dem Netz zu laden und an den PC gebunden zu sein, sondern sich einfach seine Brille aufsetzen und abtauchen möchte.

Das Durovis Dive kann über die offizielle Webseite für 51.11€ (inkl. 19% Mwst, zzgl. Versand) bestellt werden.
Wie beim Rift gilt hier: Die Anfrage ist hoch, wer zuerst bestellt bekommt sein Dive früher – Wer zu lange zögert, muss ggf. länger warten.

Daniel Korgel

Geschrieben von

Ich bin Daniel Korgel und bin ein selbständiger Software Entwickler im Bereich Virtual Reality. Ich programmiere in meiner Freizeit schon sehr lange und bin gut unterwegs mit C# (& .Net), Java, HTML, PHP und MYSQL. Kenntnisse in C, C++ und Assembler sind aber auch vorhanden. Zudem arbeite ich derzeit auch an meinem Bachelor. In meiner Freizeit sammle ich alte Spielekonsolen und bin auch hin und wieder im Skatepark anzutreffen. Twitter: @DakorVR , @Bloculus_de| Xing: xing.com/profiles/Daniel_Korgel


12 Meinungen zu “Durovis Dive im Test – ausgepackt und angespielt

  1. Hi, bei mir verrutschen die Linsen leicht in der Plastikfassung, so dass man die Schärfe oft nachjustieren muss. Auch habe ich nur ein iOS Device hier, und dafür habe ich ausser der Headtracking Demo keinerlei Apps im AppStore gefunden… ? Insgesamt scheint mir das iOS Angebot noch schwächer als das des Android Stores zu sein…

  2. Hey! Sehr schöner Artikel. Ich selbst hab mir das Refugio 3D geholt (LE, daher ist es schon seit ein paar Tagen da ;)) und wollte mich auch mal dazu äußern, vllt hilft es den Leuten, die überlegen das Durovis Dive oder ähnliche Produkte zu kaufen.
    Erstmal ganz kurz zum Refugio: Es ist aus Pappe und das merkt man natürlich schon. Der Tragekomfort ist nicht der beste, zumindestens bei mir drückt es auch trotz des Kantenschutzes recht stark, was das Tragen der „Brille“ für die Dauer eines kompletten Films recht schmerzhaft macht (hab mein Refugio 3D aber noch etwas modifiziert, es geht jetzt also). Ich denke, das wird beim Durovis Dive etwas besser sein, weil die Verarbeitung einfach etwas hochwertiger ist. Was mich noch stört: Die Linsen stehen (für mich) zu weit auseinander und spiegeln relativ stark, die Konstruktion und die Linsen vom Dive an sich scheinen da besser zu sein.
    Allgemein muss ich noch sagen (betrifft alle Smartphonehalterungen):
    Ihr werdet defintiv ein sehr aktuelles Smartphone benötigen. Ich habe zur Zeit ein Samsung Galaxy S2 mit einer Auflösung von 800×480(?) Pixeln und das ist bei den Linsen VIEL zu wenig. Das Fliegengitter ist derart stark zu erkennen, dass man den Film dahinter nur recht schlecht sehen kann.

    Zum Schluss aber noch was positives: Trotz des Fliegengitters habe ich mir einige Videos in SBS 3D angesehen und bin von dem 3D-Effekt sehr begeistert.
    Für Filme finde ich es wirklich super, Spiele/Apps gibt es aber leider noch viel zu wenige!

    • Ne, der Normalfall wird das nicht sein.. Die meisten werden es wohl illegal saugen ;). Hast schon Recht, aber wie willst du sonst die Filme als Datei auf dein Handy bekommen?^^

      PS: Ich hatte überlegt mir die App zu kaufen, muss aber sagen, dass es für mich gar nicht lohnt:
      1. Ich hab nur „16GB“ am Handy, davon sind 8GB dauerhaft verbraucht (Apps, Musik, Backup), dazu kommt noch Android selbst (nochmal 1-2GB?) und mehr Platz ist schon kaum noch, viele Filme passen nicht drauf.. Außerdem ist mir das laden per USB-Kabel zu langsam.
      2. Die Auflösung meines Handys ist schon so schlecht, dass ich es mir nicht leisten kann, den Film auch noch in ein paar (virtuellen) Metern entfernung abzuspielen, da seh ich fast nichts mehr ;D.

      • Es gibt auch kostenlose Filme, zum Beispiel von Youtube ;P
        Zum Speicher Problem: Ein Film drauf, angucken, Film wieder löschen. Eine Synchronisation via Wlan wäre zwar langsamer, dafür musst du dein Handy aber nicht extra anstecken :)
        Vielleicht bietet die App ja schon bald an via Youtube zu streamen, allerdings würde dass die meisten Mobil Flatrates schnell aufbrachen..

  3. Für iOS gibt es zusätzlich zur Demo „The Height“, am leichtesten über den LInk auf der Getstarted-Seite von Durovis (www.getstarted.durovis.com).

  4. Wie ist denn nun das Mittendrinngefühl bzw die Bildschärfe gegenüber der Rift?? ist ja das einzigste was mich ziemlich stört. ist das viel besser mit dem Fliegengitter , oder nur ein bisschen?

  5. Also ich hab mir ja auch die Refugio LE Brille gekauft und mir gefällt es super. Wenn man alle Stellen, an denen Licht eindringen kann, mit Tape zumacht kommen die 3D Effekte richtig gut rüber… Sogar so gut, dass ich bei ein zwei App nen richtig starken Motion Sickness Effekt hervorrufen konnte ;-)
    Was mich Interessieren würde ist, wie weit das Sichtfeld beim Dive durch die Linsen ist. Beim Refugio fehlt ja nen gute Stück Bild oben und unten, so dass man, wenn man z.B. Spiele vom PC zum Handy streamt, keine HUD Anzeigen oder Untertitel bei Dialogen sieht. Ist das beim Dive evtl. besser zu erkennen?
    Daniel, du hast doch beide Teile da ;-) Kannst du da evtl. was zu sagen?
    Vielen Dank schonmal im voraus.

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